Meine Arbeiten sind Aussagen über Form, Beziehung, Gleichgewicht und Proportion. Sie formulieren nicht auf einer begrifflich - verbalen, sondern auf einer bildnerisch - plastischen und auch rhythmisch - klanglichen Ebene.
Linien grenzen aus oder beziehen ein - Linien verbinden oder trennen, - berühren..
Linien beschreiben und umschreiben Formen.
Linien bilden plastische Elemente innerhalb einer Raumarbeit.
Schwarz bedeutet für mich Masse, Dichte, Klangvolumen, Körperlichkeit, Schatten – Licht.
Schwarz erzeugt im Räumlichen eine starke Präsenz und Klangmaterialität, erhöht die unmittelbar umgebene Farbigkeit. Schwarz absorbiert Licht und Klang. Gleichsam scheint es in seiner Umgebung zu „klingen“ und seine gesamte Umgebung in diese Klangsituation mit einzubeziehen.
Dieter Call durchschreitet seinen Werkraum mit der Komplexität seiner künstlerischen Sprachmöglichkeiten, die sich mit den vorgegebenen statischen und veränderlichen Elementen vereinigen: Architektur mit ihrer Verschleiß- Patina, das Spiel von Licht und Schatten, das Kohleschwarz der Holzbalken; eine mehrteilige Bodenplastik, die minimalistisch geordnet ist und deren Bodenhaftung gleichzeitig das Material darstellt für die geraden Linienführungen, die den Raum durchschreiten. Dazu der Klang, die Übertragung der Töne, die durch das Spalten der Hölzer entstehen, deren Schläge sie in die vorgesehene Form bringen. Hölzer und Klänge sind sowohl individuell als auch seriell (mit Paul Klees Worten dividuell ) strukturiert.
Raum, Skulptur und Akustik werden im momentanen und weiträumigen Hören und Sehen eins.
Prof. Dr. Tilman Osterwold (2008)
Text zur Rauminstallation Einmischung bildnerisch / rhythmisch
aus FORM ZEIGT SICH II , St. Johann Verlag GmbH, Saarbrücken
Dieter Call erreicht in seiner künstlerischen Arbeit mit minimalistischen Formulierungen ein Höchstmaß an sinnlicher Kohärenz. Vielfach ausgehend von räumlich motivierten Situationen entfalten einzelne Gestaltungselemente in ihrer Wechselwirkung produktiv-schwebende Spannungsverhältnisse, die assoziativ- changierende Wahrnehmungshorizonte eröffnen.
Raum als Gestaltungsanlass wird gleichermaßen forschend strukturiert und rhythmisiert, wie auch durch konkret- konstruktive Orientierung hinsichtlich der jeweils spezifischen Durchdringung synästhetischer Qualitäten sinnlich beschrieben.
Die Außenrauminstallation Vermessung einer Landschaft verdeutlicht diesen Arbeitsansatz in besonderer Weise.
Bei Düren platziert Dieter Call etwa 40 Stangen auf einer Wiese. Die hohen, schlanken Holzstäbe sind geschwärzt und mit der Axt grob behauen, so dass an den Objekten eine unregelmäßig vibrierende Oberfläche entsteht.
Organisch mit vegetabilischer Prägung recken sich die Stäbe empor, markieren Punkte sowie Strecken und bezeichnen in ihrer Konstellation Areale, die durch die Bewegung des Betrachters variieren. Raum wird hier nicht begriffen als fest umgrenztes Gebilde, das eine künstlerische Arbeit in sich aufnimmt, sondern als dynamisches, durch künstlerische Gestaltung aktiviertes Medium. Trotz der festen Verortung entfalten die Einzelelemente der Installation eine Bewegtheit innerhalb der Landschaft, die, musikalisch konnotiert, eine rhythmisch-tänzerische Komposition entstehen lässt. Sechs kleine Holzblöcke sind mit einem der Stäbe verbunden und erscheinen hier wie Energie spendende Batterien, die „Antennen“ versorgen - sensible Aggregate, die Signale sowohl empfangen als auch aussenden. Dieser Aspekt unterstreicht gleichermaßen die Interaktion der Holzstangen untereinander wie auch die Korrespondenz mit dem räumlichen Kontext.
Die tiefschwarze Färbung der Stangen akzentuiert die grafisch-abstrahierte Qualität der Installation, die sich dennoch organisch in die umgebende Landschaft einfügt.
Die installative Intervention im Raum erweist sich so in der Eigenständigkeit und Autonomie ihrer Elemente ebenso autark wie integrativ im Zusammenspiel mit den Aspekten des Raumes und der Landschaft.
Dr. Andreas Bayer Kunsthistoriker
Aus TERZ Katalog zur Ausstellung im Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken 2008
Schrumpfende Formate und Ausdehnung des Wesentlichen, so könnte man zusammenfassend die neuen Arbeiten von Dieter Call benennen. Variationsreich wird in diesen Arbeiten zeichnerisch, zwischen hellen und dunklen Farbtönen pendelnd, die illusorische Körperhaftigkeit der bildnerischen Räume ausgelotet.
Verblüffend hierbei die fast winzig zu nennenden Formate im Kontrast zu der Aussagefähigkeit und Dynamik dieser Bilder.
Sie klingen, tönen und nehmen gefangen. Sie saugen den Blick des Betrachters magisch an. Es sind nicht die typischen Zeichnungen des Bildhauers, sondern eigenständige Werke des Malers Call. Keine lauten Töne sind hier sichtbar, sondern die leisen, fragilen Momente überwiegen.
Dieter Call ist auch Musiker. Sein Wissen über Harmonie, Rhythmus und Klang ist in diesen Bildern ebenso evident.
Es ist nicht das Phänomen der Synästhesie, sondern vielmehr eine besondere Form von Verständnis und Wirkung, die in den Arbeiten von Dieter Call erfahrbar wird.
Denken und Empfinden verschmelzen. Und in der Symbiose entsteht ein bildnerisches Universum von enigmatischer Weite, die das trennende von Musik und Malerei überwindet und die Grenzen aufhebt. Kurz gesagt: Diese Bilder sind auf eine sehr sinnliche Art und Weise selber Musik.
Hans Werner Berretz ( Ha Webe ) 2008
Die Titelgebung ruft einige der zentralen soziologischen Grundbegriffe auf, mit denen Positionen von Individuen in der Gesellschaft beschrieben werden.
Das sich in den Objekten, Plastiken und Installationen von Dieter Call zeigende Experimentieren an Grenzbereichen zwischen Form und Struktur, sein Interesse an Beziehungen und Bewegungen von Einzelteilen im Raum, aber auch die Suche nach Verdichtungen, Häufungen und Bündelungen von Elementen als Hinweise auf deren Position, entspricht einer dem sozialwissenschaftlichen Interesse vergleichbaren Suchbewegung. Diese besteht darin, Beziehungen aus Unterschieden zu ermessen und in ihrer Eigenart zu verstehen...
Konstruiert man den sozialen Raum, diese unsichtbare, nicht herzeigbare und nicht anfaßbare, den Praktiken und Vorstellungen der Akteure Gestalt gebende Realität, so stößt man auf ein System differentieller Abstände, über das sich die unterschiedlichen Positionen definieren und in verschiedenen Ausdrucksweisen von Individuen niederschlagen.
Kunst vermag uns das mit ihren abstrakten Formen und Strukturen begreifbar zu machen, und daraus schöpft ästhetische Erkenntnis ihre Kraft. Gerade da sie nicht begrifflich operiert, vermag sie einen Horizont zu entwerfen, auf dem wir uns als Betrachter sowohl mit dem Empfinden als auch mit Begriffen zurecht zu finden suchen. Dabei kann das Empfinden oftmals eine über die begrifflichen Möglichkeiten hinausgehende Ebene ansprechen, die sehr erkenntnisträchtig ist, gerade da sie in unserer rationalen Ordnung so gut wie keinen Raum hat. Mit der Installation Raum-Feld-Zeichen lädt Dieter Call uns ein, eine solche Erfahrung zu machen.
Dr. Udo Goettlich
aus d. Eröffnungsansprache zur Installation Raum-Feld-Zeichen in Aachen, 2001