Dieter Call      “don´t walk on the steps”
Zeichnungen  -  Objekte  -  Installationen


16. 1. 2011 – 27. 2. 2011


FORUM FÜR KUNST UND KULTUR HERZOGENRATH
IN DER EUREGIO e.V.

Dieter Call & Anja Voigt – Mobile Forschungsstation, Vernissage Kunst- u.Kulturforum Herzogenrath   Fotos: Uli Muntenbeck

Kunst- und Kulturforum Herzogenrath, 2011


RAUM für KUNST Aachen – Dieter Call Skulpturen

Kuratorin: Sabine Bücher

Ausstellung: 16. Mai. – 27. Juni 2009

RAUM für KUNST Elisengalerie Aachen
Friedrich Wilhelm Platz, 52059 Aachen
Tel / Fax: 0241 - 4544510

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

Installation im RAUM für KUNST Aachen 2009, Fichtenholz behauen / geschwärzt, Rußkreide, Pigment,
Holzblöcke jew. ca. 38 x 14 x 14 cm, Stangen jew. ca. 300 x 3 x 3 cm ( Foto Jörg Hejkal)

o.T. Vermessungswinkel,
Lärchenholz geschnitten / gefräst / bearbeitet,
9 x 82 x 30 cm, 2009 ( Foto Jörg Hejkal)

o.T. Stapelung 15 tlg.,
Fichtenholz behauen / geschwärzt,
44 x 75 x 75 cm, 2008 ( Foto Jörg Hejkal)

 
o.T. Großer Holzschnitt Lindensperrholz
geschnitten / geschwärzt, Bleistiftlinie,
gesamt 250 x 520 x 0,5 cm, 2009
(Foto Jörg Hejkal)

o.T. Großer Holzschnitt Lindensperrholz,
geschnitten / geschwärzt / bearbeitet,
ca. 190 x 250 x 0,5 cm, 2009 (Foto Jörg Hejkal)

 

Zwischen Feld Raum

SCHLOSS BURGAU
02.12.2007 - 13.01.2008

Eröffnung: Sonntag, 2.12.2007, 11:30 Uhr

Einführung: Prof. Dr. Wolfgang Becker

Schloß Burgau
Von-Aue-Str.
52355 Düren-Niederau
 



Einführung zur Ausstellung  Zwischen Feld Raum 
Schloß Burgau (Düren) am 2.12.07
 

Was sehen wir in dieser Ausstellung von Gerlinde Zantis, Dieter Call und Michael Dohle?Was sehen die Künstler?

Wir sehen: große Fotos, die meisten schwarz-weiß, einige der neueren farbig; wir sehen: „Farbstaubbilder“, Zeichnungen, die der Kategorie Zeichnung widersprechen, anders sind als Zeichnungen; wir sehen kleine Scherenschnitte, gemalte Bilder und Holz- und Betonskulpturen. Alle diese Objekte eint ein Thema: der Ort, der sie inspiriert hat.

Als ich von dem Ort hörte, habe ich ihn auf der Landkarte gesucht: Département 70, Haute Saône, Frankreich, zwischen Besancon und Dijon. Als Kunsthistoriker suchte ich nach Sehenswürdigkeiten dort: es gibt keine. Die Römer haben die Gegend besiedelt, die Franken, die Burgunder, die Franzosen, die Spanier. Seit 1678 ist das Gebiet französisch, hatte eine große Eisenindustrie im 19. Jahrhundert, der letzte Hochofen erlosch 1905. Jetzt dominiert eine ausgebreitete, industriell betriebene Landwirtschaft. Wenig Tourismus. Die Hauptstadt heißt Vesoul.

Was zeigen die Bilder von diesem Land, das sie inspiriert hat? Getreidefelder, die sich mit zungenartigen Ausläufern in Wälder einziehen, undefinierbare Häuser (Ruinen ?).

Unter dem Eindruck so unspektakulärer Reize verändert sich die Frage an die Künstler, was sie dort sehen, neugierig in die Frage: Was suchen sie dort?
Besuchen sie oder gründen sie eine Künstlerkolonie - wie Barbizon, Pont-Aven, Worpswede, in der Künstler verschiedener Regionen sich treffen? Nein, sie sind die einzigen, die dorthin fahren. Suchen sie die Sonne Südfrankreichs, das Licht wie der Holländer Van Gogh, Blumen, wogende Getreidefelder, Farben? Nein. Der Blick der Künstler ist, wenn sie sich dort bewegen, nicht zum Himmel, nicht in das Licht, sondern auf den Boden, nach unten gerichtet. Sie suchen nach Ecken, in denen Wälder und Felder enden, nach Grundrissen alter Bauten, die sich in Feldern verbergen, nach Steinen in Stoppelfeldern. Sie suchen nicht das Tageslicht, sondern die Dämmerung, die Nacht, einen verschwimmenden Mondschein. Ihre Lieblingsfarbe ist Schwarz.

Bei Gerlinde Zantis besteht das Schwarz aus Staub, aus mineralischen Pigmenten. Es ist eine wunderbare Anreicherung von Blau-, Braun-, Grüntönen, die ein sattes, scheinbares Schwarz ergeben. Bei Dieter Call ist es entweder schwarzes Papier in den Scherenschnitten oder schwarzer Ruß in den Skulpturen und Bildern. Bei Michael Dohle ist es Korn in den Fotopapieren, sind es Pixel.

Call hat mir beigebracht, dass er das Schwarz synästhetisch empfindet, als eine Kompression, in der diese beiden Skulpturen beispielsweise wie Paukenschläge wirken. Call ist Musiker.

Und alle drei denken in Räumen: eine Skulptur in einem Raum erzwingt einen neuen Raum; Räume erzeugen Ecken, Tiefen, Horizonte. Es geht auch um Licht, aber um wenig Licht, um Dämmerung, um Mondlicht, um Lichtscheine – wie in jener Schafshütte, in der Dohle gearbeitet hat. Und es geht um Zeit, wenn er mit seiner Kamera als einem beweglichen Instrument arbeitet und sie verreißt; oder wenn in den Farbstaubbildern Unschärfen entstehen, die Bewegungen des Lichts oder des Windes suggerieren.

Drei reife Künstler mit Karrieren, in denen Reihen von Ausstellungen erscheinen.
Was suchen sie?

Sie suchen in den Haufen von Steinen, Stoppeln, Pigmentstaub, Russpartikeln und Pixeln, in diesem ungeordneten Chaos Formen, Ordnungen, Bedeutungen.
 

„Die Welt der Erscheinungen, so wie wir sie mit unseren Sinnen aufnehmen, ist ein unförmiger Brei, und hinter ihr sind ewige, unveränderliche Formen verborgen, die wir dank dem übersinnlichen Blick der Theorie wahrnehmen können. Der amorphe Brei der Erscheinungen (die „materielle Welt“) ist eine Täuschung, und die dahinter verborgenen Formen (die „formale Welt“) sind die Wirklichkeit, die dank der Theorie entdeckt wird. Und zwar so, dass erkannt wird, wie die amorphen Formen in die Erscheinungen fließen, sie füllen, um dann wieder ins Amorphe hinaus zu fließen. Wir kommen diesem Widerspruch „Materie –Form“ näher, wenn wir das Wort „Materie“ mit „Stoff“ übersetzen… Das Wort „Stoff“ ist das Substantiv des Verbums „stopfen“. Die materielle Welt ist das, was in Formen gestopft wird, sie ist das Füllsel für Formen.“

Dieses Zitat von Vilém Flusser (Der Schein des Materials, 1991) zeigt, wie er den konventionellen Gedanken, dass die gegenständliche Welt auf Zeichen reduziert werden könnte, umdreht. Die Zeichen, so behauptet er, seien älter als die materielle Welt der Erscheinungen. Aber wo finden wir diese Zeichen? Sie sind, so sagen die Wahrnehmungsphilosophen, im Auge, im Gehirn der Menschen, die sie in die Struktur der wahrnehmbaren Welt projizieren; die Menschen ordnen die wahrnehmbare Welt. Sie schaffen Sinnbilder, die „Verkehrszeichen“ sind, die die Welt ordnen. Sie projizieren Formen, die herrschen, die den Raum, ja die Welt beherrschen. Jeder Mensch wird unbewusst der Welt seine Formen  ordnend hinzufügen, dem Künstler wird diese Tätigkeit zur bewussten Aufgabe. Er ist ausgebildet, diesen Formen Bedeutung zu geben, sie als Sinnbilder zu entwerfen. Das ist sein Solipsismus. Er schließt das gesamte Sein in sein Bewusstsein ein.

Dieser Exkurs möge Hinweise geben, die Werke von Gerlinde Zantis, Dieter Call und Michael Dohle zu lesen. Sie erscheinen nützlich, denn die Arbeiten widersetzen sich einer oberflächlichen Betrachtung. Das gibt ihnen einen besonderen Wert.


Prof. Dr. Wolfgang Becker
Direktor i. R. des Ludwig-Forum fr Internationale Kunst, Aachen